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Apuleius

römischer Schriftstel­ler um 125 n. Chr. in Madaura in der Nähe Karthagos geboren um 180 gestorben. Er war Zeitgenosse von Hadrian Antoninus Pius Mar­cus Aurelius Antoninus Lukian von Samosata und lebte in der Epoche die Frazer den Martinssommer der antiken Kultur nannte. Er war der erste der den Roman zu einer unabhängigen Gattung machte und der nur in Prosa schrieb. Der junge schöne strahlende Apuleius war bereits mit achtzehn Jahren von den dekadenten Sitten verdorben. Er war in Karthago durch seine Wortgewalt und seine Schönheit berühmt. Er machte sich den damals herrschenden rö­mischen Frieden zunutze und be­suchte Griechenland und den Orient. In Rom liess er sich in den Geheimkult von Isis und Osiris einweihen und wurde dort Advokat. Als er nach Karthago zurückkehrte machte man ihn zum Senator. Dort heiratete er die reiche Puden­tilla die Mutter seines Freundes Pontianus. Diese Heirat wurde nicht allgemein gebilligt. Man be­schuldigte Apuleius seine Frau durch einen Zaubertrank aus selte­nen Giften verführt zu haben ob­szönen Statuen zu huldigen vor Spiegeln Zauberformeln zu murme1n und Kinder zu hypnotisieren. Als man ihm einen Prozess machte trug er seine uns überlieferte Apo­logie vor (Apologia sive de Magia) die noch glänzender und blumen­reicher ist als das Plädoyer das er vor dem Prokonsul in Sabrata einer der drei Hauptstädte der Kleinen Syrte hielt. Apuleius muss seinen Prozess gewonnen haben denn er wurde kurz darauf Hoherpriester in der Provinz Afrika. Man ist der Ansicht dass seine Metamorphosen zu dem Zeitpunkt entstanden sind als er in den Kult der Isis eingeweiht wurde. Er schrieb sie vor­wiegend um seine Unschuld zu beweisen. Gerard de Nerval bezeich­nete sie als das dichterische Vorbild des Studiums der menschli­chen Seele und setzte sie der Divina Commedia gleich. Apuleius ist auch der Verfasser einer Ab­handlung über Platon und sein Dog­ma (De Platone et de ejus dogmate) ein dialektisches von den Peripate­tikern und Stoikern inspiriertes Werk. Auf seine platonische Kritik folgte ein weiterer Essay mit dem Titel Der Geist des Sokrates (De deo Socratis) in dem die Natur der gött­lichen Inspiration untersucht wird und sich die Sehnsucht nach Uni­versalität und Synkretismus äussert die für den Mittelmeerraum in dieser Zeit typisch war.

Doch beruht der Ruhm Apuleius nicht auf seinen philosophischen Essays sondern auf seinen Meta­morphosen vor allem auf der darin enthaltenen Erzählung Amor und Psyche. Es handelt sich um die Geschichten Die galan­ten Hexen und Die beiden Telyphrone oder die besiegten Hexen. Das Werk ist im sog. asianischen Stil ver­fasst für den eine ästhetisierende Absicht eine gewisse Kunstfertig­keit ein Manierismus und das Ver­langen zu blenden typisch sind.

Das allgemeine Thema der Meta­morphosen kommt in der antiken Literatur häufig vor. Die Erzäh­lung von Apuleius steht der Ge­schichte Lucius oder der Esel von Lukian von Samosata nahe. Beide haben vermutlich dieselbe Quelle benutzt nämlich Lukios von Patrai wobei jeder das Thema in dem ihm gemässen Stil behandelte: Apuleius auf religiöse und mystische Lu­kian auf ironische und sarkastische Art. Der Held der Metamorphosen ist Lucius der am Schluss des Wer­kes zu Apuleius selbst wird. Der naive Lucius trifft bei seiner Reise nach Thessalien der Wiege der antiken Zauberkunst Händler die der Magie kundig sind. Durch ihre Erzählungen angeregt verfällt er dem Zauber der Frau seines Gast­gebers einer Hexe. Seine Begleiter lassen ihn jedoch nicht im unklaren darüber welches Schicksal ihn er­wartet. Denn die Hexen sind in der Liebe heftig fordernd und uner­sättlich. Sie sind grausam und schrecken nicht davor zurück ihre Liebhaber umzubringen ihnen das Herz aus dem Leibe zu reissen und es durch einen Schwamm zu er­setzen. Sie hocken sich auf ihre Liebhaber und ergiessen ihren stinkenden Urin über sie. Doch schrecken diese Vorstellungen Lu­cius nicht ab. Nachdem er die Ver­wandlung seiner Gastgeberin in eine Eule miterlebt hat bittet er

ihre Dienerin auch ihn in eine Eule zu verzaubern. Sie täuscht sich jedoch in der Salbe und der Held wird in einen Esel verwandelt ein brünstiges Tier das bei Isis in Ungnade steht.

In dieser traurigen Lage verliert Lucius keineswegs sein menschli­ches Feingefühl und sieht sich allen Unannehmlichkeiten die ein Esel erleiden kann ausgesetzt. Und nach mancherlei Wechselfällen erzählt ihm eine alte Frau die ihn als Gefangenen in einer Banditen­höhle bewacht die berühmte Geschichte von Amor und Psyche. Doch seinem Missgeschick ist noch kein Ende gesetzt. Der arme Lucius der zuletzt in den Stand eines gelehrten Esels versetzt wurde wird durch die Frau seines Lehrers begehrt und gezwungen mit ihr zu schla­fen. Als der wütende Ehemann da­von erfährt beschliesst er das geile Tier in aller Öffentlichkeit mit sei­ner Frau die sich der Sodomie schuldig gemacht hatte zu paaren. Lucius kann den Gedanken an eine solche Schande nicht ertragen. Er

flieht und fleht die Göttin Isis an ihm seine menschliche Gestalt wiederzugeben. Isis entzaubert ihn bei einem Weihefest. Ein Priester erklärt ihm dass der Mensch der sich dem Laster hingibt sich von seiner eigentlichen Natur lossagt dass er sich aber in der Religion erneuern könne.

Lucius der nun in die Geheimnisse der Göttin eingeweiht ist und kurz darauf auch die Riten von Osiris kennen lernt weicht jetzt dem Au­tor selbst der nun den Ton des Romans und der Satire aufgibt und zum Mystiker und Moralisten wird. Die menschliche Liebe bedeutet nicht das Glück ruft er aus. Man muss wie Psyche einen Gott lieben und von ihm wiedergeliebt werden um Fortuna zu entgehen… Die La­ster gegen die Natur verunreinigen das Herz der Frauen. Retten wir uns! Wir haben zuviel gelitten. Lasst uns den Ausschweifenden mit gutem Beispiel vorangehen. Isis Königin des Himmels und der Erde schenke deine Gnade deinem reuigen Sohn… Deine Religion ist echt die Zauberei jedoch Quelle der Irrtümer. Lasst uns in Keuschheit und im Dienste der Göttin le­ben. Dann werden wir Freiheit und Freude kennen lernen. Vor diesem moralischen Schluss hat Apuleius im ersten und letzten Teil mit Le­bendigkeit und Wohlgefallen die Verirrungen der Zauberei und die Zügellosigkeit der Frauen beschrie­ben. Im mittleren Teil des Werkes findet sich die Geschichte von Amor und Psyche die auf einen antiken Mythos milesischen Ursprunges zu­rückgeht. Manche Literaturhistori­ker halten die Quelle für ägyptisch persisch oder indisch. In der ge­samten antiken griechischen und römischen Welt wird das Thema auf Vasen Töpfen und Skulpturen dar­gestellt. Apuleius der darin eine Geschichte die einen grossen Kummer zu lindern vermag sieht nahm das Thema auf und führte es in die Literatur ein. Vor­her war es hauptsächlich Grabmä­lern vorbehalten doch fand es sich um 236 auf einer Medaille darge­stellt später wurde es auch auf Fresken an Wohnhäusern ver­wendet.

Die Geschichte handelt von einem König und einer Königin deren Tochter Psyche so schön ist dass die Sterblichen ihretwegen den Kult der Venus aufgeben. Über ihre Nebenbuhlerin erzürnt befiehlt die Göttin ihrem Sohne Cupido sie zu rächen und das junge Mäd­chen in das hässlichste Wesen der Welt verliebt zu machen. Psyches Eltern jedoch die durch ein Ora­kel vor der Gefahr gewarnt wur­den bringen sie auf den Gipfel ei­nes Felsens. Zephyros entführt sie von dort in einen prächtigen Pa­last wo sie ein unsichtbarer Gatte zu der Seinen macht. Trotz dem Verbot ihres Mannes vertraut sich Psyche ihren Schwestern an die ihr ihr Glück neiden. Sie reden ihr ein dass ihr Gatte ein schreckli­ches Ungeheuer sein könnte und dass es besser sei sein Gesicht zu enthüllen. Im Laufe der Nacht zündet Psyche ihre Lampe an und erblickt an Stelle des gefürchteten Ungeheuers den strahlendsten aller Götter. Doch hatte sie aus ihrer Lampe einen Tropfen Öl verschüt­tet. Cupido erwacht und entflieht. In der Zwischenzeit war Venus der Verrat ihres Sohnes bekannt ge­worden. Sie verbietet Psyche Cu­pido zu heiraten und befiehlt ihr überaus demütigende Arbeiten die sie bis zur Quelle des Styx und in die Hölle führen aus der sie ein Gefäss mit kostbaren Salben her­beischaffen soll. Von der ganzen Schöpfung unterstützt erhält Psy­che den wertvollen Schatz der Proserpina. Sie möchte ihn für ihre eigenen Zwecke verwenden da sie damit Cupido zurückzugewinnen hofft. Die Salbe jedoch versetzt sie in einen tödlichen Schlaf. Der junge Gott rettet sie und erwirkt von Zeus dass seine Geliebte un­sterblich wird. Venus ist besiegt und die bei den Liebenden feiern ihre Hochzeit. Aus ihrer Verbin­dung entspringt eine Tochter mit Namen Voluptas.

Wie man sieht entspricht der My­thos einer platonischen Neigung die im Gegensatz zu der Jugend­frische und den erotischen Elemen­ten des Werkes steht die Apuleius aber zweifellos bewusst anstrebt. So verwundert es nicht dass das Chri­stentum seit dem 4. Jahrhundert in der Fabel verborgene Reflexionen der ursprünglichen Offenbarung und eine moralische Belehrung sehen wollte. Dem schwelgenden occide moriturus der Liebesszenen der Metamorphosen Camsex gegenüber steht der Satz den der Priester der Isis bei der Entzauberung des Lucius ausspricht: Auf dem gefährli­chen Boden jugendlicher Kraft bist du der Sklave niedriger Genüsse geworden und wurdest für deine verhängnisvolle Neugier bitter be­straft… In Apuleius spiegelt sich die von ihren Ausschweifungen er­mattete antike Welt. Psyche das Symbol der Seele tritt an die Stelle der Venus der Göttin fleischlicher Liebe. Das Werk von Apuleius legt Zeugnis von einer Entwicklung ab die durch das Christentum gefördert wurde.

So ist es nicht verwunderlich dass sich der Mythos von Amor und Psy­che den das Mittelalter und die Neuzeit nur aus der Erzählung von Apuleius kennen in der christli­chen Symbolik findet. Boccaccio greift das Thema in seiner Genea­logie der Götter auf Fiorenzola ver­wendet es in seinem Goldenen Esel (Venedig 1550). Die römische und italienische Dichtung bedient sich seiner in ausgiebigem Masse. In Frankreich verfasst Jean de la Fon­taine 1669 eine teils in Prosa teils in Versen geschriebene Erzählung: Les Amours de Psyche et de Cupidon. A. Rode gibt 1905 eine dt. A. des Märchens heraus und lässt später eine Übersetzung der Metamorpho­sen folgen. Moliere und Lulli führ­ten den Gegenstand in die Welt des Theaters ein und fanden zahl­reiche Nachahmer. Ausser Lulli wurden u. a. auch Scarlatti Am­broise Thomas und Ces ar Franck davon inspiriert. Auch viele Bild­hauer haben sich damit beschäftigt. Neben den antiken Zeugnissen von denen die ältesten im Capitol auf­bewahrt werden sind die Fresken Raffaels und seiner Schule die Bilder von Correggio die Skulp­turen von Canova u. a. m. zu erwähnen.

mh

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